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Weshalb wir uns verzetteln und wie das aufhört

Die To-Do-Listen sind lang, der Schreibtisch liegt voll, der Haushalt liegt brach. Und Familie und einen Freundeskreis, der einem wichtig ist, hat man ja auch noch. Du fängst tausend Dinge gleichzeitig an und bringst nichts zufriedenstellend zu Ende. Kennst du das auch?

Brauchen wir Hilfe gegen das Verzetteln?

In einem Artikel habe ich heute gelesen, dass es eine kleine Maschine mit einer App gibt, die sekundengenau aufzeichnet, wieviel Zeit man für welche Arbeiten aufwendet. So soll man am Abend das Gefühl haben, wirklich etwas geschafft zu haben, anstatt unzufrieden den Tag zu beschließen. Sind wir jetzt so weit, dass wir eine App brauchen, um uns nicht zu verzetteln und ein Gefühl von „ich hab was geleistet“ zu kreieren?

Wieso verzetteln wir uns überhaupt derart? Warum bleiben wir nicht an einer Sache dran, zumindest für einen sinnvollen Zeitraum, anstatt ständig zwischen den Baustellen hin und her zu springen?

Arbeitsstil „Kolibri“

Ich muss mich da ganz kräftig an der eigenen Nase packen. Es gibt Tage, da bin ich schrecklich unfokussiert.

Dann komme ich mir vor wie ein Kolibri: Ich hab eben angefangen Mails zu checken – dann fällt mir ein, dass ich beim Steuerberater anrufen wollte – weiter mit Mails – dann habe ich eine Idee für einen Text und fang einen Artikel an – dann mittendrin aufgehört und Termine gemacht – zurück zu den Mails – nur um nach kurzer Zeit in die Waschküche zu laufen, weil die Wäsche in den Trockner muss – ach ja und die Banküberweisungen – und ich wollte doch für heut Abend was vorbereiten – nein die Zeit reicht nicht, weil ich gleich einen Coachingtermin habe …

Liest sich schrecklich, ich weiß. Ich will trotzdem keine Maschine, die jeden von diesen angefangenen Arbeitsabläufe aufzeichnet, nur damit ich am Ende des Tages weiß, dass ich 13,5 Minuten mit der Wäsche beschäftigt war, 30 Minuten Mails gecheckt und x Stunden Coaching gegeben habe und so weiter.

So geht die Veränderung

Ich möchte dieses Verhaltensmuster ändern. Der erste Schritt ist, mir bewusst zu machen, wo das herkommt. Kennst du den Mythos vom Multitasking? Das hat man uns in den 80er Jahren regelrecht um die Ohren gehauen. Wer nicht multitaskingfähig war, hatte eh schon verloren. Es ist ein Mythos, der in der Zeit der ersten Personalcomputer entstanden ist. Basierend auf einem Irrtum. Der PC kann auch nur Bit um Bit verarbeiten, es sieht nur für uns so aus, als würde da einiges gleichzeitig stattfinden.

Dann stellt sich die Frage, welchen Lustgewinn ich durch dieses Verhalten habe? Welche positiven Assoziationen erzeuge ich dadurch? Gibt mir der Stress ein Gefühl wichtig zu sein? Empfinde ich mich selbst dann als leistungsfähiger, wenn ich möglichst viel gleichzeitig am „kochen“ habe? Bin ich durch die ständige Ablenkung von Social Media so geprägt, dass ich permanent zwischen Reizen hin und her springe? Einfach mal reinspüren, wo das andockt.

Drittens die Frage, welchen Schmerz ich damit vermeide. Habe ich negative Gefühle, wenn ich nicht pausenlos beschäftigt bin? Fällt es mir schwer den Fokus zu halten, weil ich Konzentration gar nicht mehr aushalte? Hält es mich auf Trab, damit ich nicht über meine Gefühle nachdenken bzw. sie gar nicht erst fühlen muss? Was will ich damit vermeiden, wo genau ist dieser Vorteil?

Wir können oft den Fokus nicht halten, weil wir nicht mehr im Moment leben. Wir lassen uns von der Zeit durchs Leben jagen. Wir leben gedanklich in der Vergangenheit oder in der Zukunft – und selten im Moment. Ganz und gar auf eine Sache fokussiert zu sein, bringt mich total ins Hier und Jetzt. Dann steht die Zeit still. Dann ist Balance.

Sobald ich merke, dass ich wie der Kolibri mit den Flügeln schlage, halte ich inne. Ich mache ganz bewusst einen Schnitt und ändere meine Physiologie. Das heißt ich verändere meine Körperhaltung, gehe in ein anderes Zimmer oder nach draußen und nehme ein paar tiefe, bewusste Atemzüge. Ich atme. Ich spüre. Ich erde mich. Ich horche in mich hinein, was von all den angefangenen und drängenden Dingen nun wirklich ruft. Ich bin ehrlich mit mir selbst und frage mich, wovor ich davonlaufe. Es sind schon viele Keller aufgeräumt worden, weil die Steuererklärung wartet.

Dann entscheide ich, womit ich weitermache. Und bevor ich damit loslege brauche ich etwas, das meine Stimmung hebt. Die Lieblingsmusik. Laut. Jetzt kanns weitergehen!

Wie macht ihr das? Bin gespannt auf eure Tipps bei akuter Verzettelung 🙂

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