Foto: Mann im Garten (Dateiname: boboli-garden-705849_1920)

Authentische Leader haben Schwächen!

Schwäche und Führung. Das gehört nicht zusammen. Stimmt das? Nein. Und es ist sinnlos, Schwächen verbergen zu wollen. Das Stärken-Schwächen-Profil eines Menschen ist einzigartig wie sein Fingerabdruck. Es ist vergebliche Mühe, es zu verschleiern. Dieser Aufwand kann anderweitig viel nützlicher eingesetzt werden.

Was ist Schwäche und was ist sie nicht

Es gibt keine Schwäche per se. Sie hängt immer vom Bezugsrahmen ab. In Projekten, die Zeit brauchen, ist Ungeduld eine schädliche Eigenschaft. Wo rasches Handeln gefragt ist, kann sie der entscheidende Vorteil sein.

Vetuschte Schwächen können ein Rapport-Killer sein. Rapport ist der Fachausdruck für die tragfähige Vertrauensbrücke zwischen zwei Menschen. Ein als unfehlbar erlebter Vorgesetzter ist einer aktuellen Studie zufolge weniger erfolgreich (British Journal of Psychology 2018). Wird er situativ als „einer von uns“ wahrgenommen, führt er besser.

Zwei Arten mit Schwächen umzugehen

Leader sollten zu ihren Schwächen stehen. Sie haben immer noch zwei Optionen damit umzugehen. Sie können die Schwäche argumentativ umkehren oder sie anerkennen und damit Potenzial freisetzen.

Wie eine Schwäche zum Sieg verhilft

Eine schöne Geschichte dazu gibt es von Henry Ford, der einen Journalisten wegen übler Nachrede verklagte. Der Journalist hatte Ford als unwissenden Pazifisten bezeichnet. In der Verhandlung versuchte die Verteidigung, mit entsprechenden Wissensfragen die fehlende Bildung und Ignoranz von Ford nachzuweisen. Der dreht den Spieß kurzerhand um und sagte: „Wenn ich tatsächlich irgendwann einmal Interesse dran haben sollte, eine dieser idiotischen Fragen zu beantworten, würde es mich einen kurzen Knopfdruck kosten, und der entsprechende Experte stünde Minuten später vor mir. Wieso soll ich mein Gedächtnis mit unnützem Kram belasten, wenn ich von Fachleuten umgeben bin, die mir bei Bedarf jede gewünschte Information liefern?“

„Gut pariert, Mister Ford“, kann ich da nur sagen. In diesem Fall wäre das Aufholen der vermeintlichen Schwäche sogar ein Fehler gewesen. Hat er doch wichtigeres zu tun, als unnütze Fakten zu memorieren. Und das gilt heute umso mehr. Wissen ist kein wertvolles Gut mehr, da man mit 5 Mausklicks an praktisch jede Information kommt.

Wir brauchen die verborgenen Potenziale

Dann gibt es die Sichtweise des ungenutzten Potenzials. Schwäche ist nicht das Gegenstück zur Stärke. Schwäche ist verborgenes Potenzial. Wer Schwächen hat, hat noch Luft nach oben. Ein Potenzial verschafft Entwicklungsmöglichkeiten. Es ist eine verborgene Ressource. Wer bereits alles kann und alles weiß, hat alles ausgereizt. Leergelutscht. Das wünsche ich nun wirklich niemandem. Schon gar keinem Leader.

Fantasie ist übrigens auch keine Schwäche. Es ist die Fähigkeit zur unlimitierten Vision. Alle großen Unternehmer waren und sind Visionäre. Sie sind unbequem und ihr Denken folgt keinen Regeln. Ohne sie gäbe es keine Innovation. In diesem Sinne: Mut zur Schwäche!

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